Prof. Dr. Carl Chun

Carl Chun – Meeresbiologe, Tiefseeforscher und die zoologischen Wandtafeln von Leuckart & Fisher

Carl Chun – Meeresbiologe, Tiefseeforscher und Mit-Herausgeber außergewöhnlicher zoologischer Wandtafeln

Mit den vier derzeit bei sammelbecken.ch erhältlichen Originaltafeln von Carl Chun ist eine kleine, aber bemerkenswerte Gruppe wissenschaftshistorischer Lehrmittel zusammengekommen. Die großformatigen Lithografien zeigen das Darmsystem, das Gefäßsystem, das Urogenitalsystem und das Nervensystem der Amphibien und stammen aus der zweiten Serie der berühmten „Zoologischen Wandtafeln über Wirbelthiere“ aus der Zeit um 1901.

Ein kleiner Blick auf den Verlagsnamen

Beim Betrachten der Tafeln fällt ein interessantes Detail auf. Auf den Originalen steht deutlich „Th. G. Fisher & Co.“, während der Verlag in Bibliotheken, Literaturverzeichnissen und Auktionskatalogen meist als Theodor Fischer oder Th. G. Fischer geführt wird. Die Originale bestehen also gewissermaßen darauf, Fisher zu heißen, obwohl fast jeder über Fischer schreibt.

Ob dahinter eine bewusste internationale Schreibweise, eine historische Firmierung oder schlicht eine Eigenheit des Unternehmens steckt, lässt sich heute nicht mehr eindeutig beantworten. Fest steht jedoch: Die Originaltafeln tragen konsequent den Namen Fisher. Als Antiquar hält man sich am liebsten an das, was auf dem Objekt steht. Mit einem kleinen Augenzwinkern darf man deshalb sagen: Der Verlag wusste offenbar schon vor über hundert Jahren, wie man Sammler später einmal beschäftigen würde.

Carl Chun (1852–1914)

Carl Friedrich Chun wurde am 1. Oktober 1852 in Höchst am Main geboren und zählt zu den bedeutendsten deutschen Zoologen und Meeresbiologen seiner Zeit. Nach Professuren in Königsberg, Breslau und Leipzig widmete er sich insbesondere der Erforschung wirbelloser Meerestiere. Weltweit bekannt wurde er jedoch als Leiter der Deutschen Tiefsee-Expedition mit der „Valdivia“ (1898–1899).

Diese Expedition gehört zu den Meilensteinen der modernen Meeresbiologie. Erstmals wurden zahlreiche Organismen aus großen Meerestiefen systematisch gesammelt, beschrieben und wissenschaftlich ausgewertet. Chuns Veröffentlichungen prägten das Verständnis der Tiefsee für Generationen von Zoologen und machten ihn weit über Deutschland hinaus bekannt.

Mehr als nur Amphibien

Wer Carl Chun nur mit den hier gezeigten Amphibientafeln verbindet, kennt nur einen kleinen Teil seines Schaffens. Tatsächlich war er Autor und Bearbeiter weiterer zoologischer Wandtafeln, darunter eindrucksvolle Darstellungen von Quallen, Salpen, Seescheiden, Röhrenwürmern, Manteltieren und Kopffüßern – genau jener Tiergruppen, die ihn als Meeresbiologen besonders beschäftigten.

Viele dieser Tafeln sind heute digital in Museums- und Universitätsbeständen dokumentiert, auf dem Sammlermarkt begegnet man ihnen jedoch nur äußerst selten. Gerade diese meeresbiologischen Tafeln zählen für viele Sammler zu den schönsten Beispielen wissenschaftlicher Illustration des späten 19. Jahrhunderts.

Eine der bedeutendsten zoologischen Lehrtafelserien ihrer Zeit

Die von Rudolf Leuckart begründete Serie der „Zoologischen Wandtafeln“ entwickelte sich zu einem Standardwerk für Universitäten und höhere Schulen. Carl Chun trat später als Mit-Herausgeber hinzu und betreute die zweite Serie. Nach heutigem Kenntnisstand umfasst diese zwölf Tafeln, die zu den seltensten zoologischen Lehrtafeln ihrer Zeit zählen.

Über Jahrzehnte galten diese großformatigen Lithografien als Maßstab wissenschaftlicher Lehrmittel und wurden weit über den deutschsprachigen Raum hinaus eingesetzt.

Heute faszinieren sie nicht nur durch ihren wissenschaftlichen Inhalt, sondern auch durch ihre handwerkliche Qualität. Gedruckt als farbige Lithografien, auf Leinen kaschiert und mit Holzstäben versehen, verbinden sie Forschung, Kunst und Unterricht auf eindrucksvolle Weise.

Mit den vier derzeit im Sortiment von sammelbecken.ch verfügbaren Amphibien-Tafeln lässt sich dieses außergewöhnliche Kapitel der Wissenschaftsgeschichte unmittelbar erleben. Vielleicht gesellt sich eines Tages sogar noch eine der seltenen meeresbiologischen Tafeln dazu. Für einen Antiquar mit einer Vorliebe für historische Wissenschaft wäre das zweifellos ein besonderer Moment.

Ben im Juli 2026


Bildnachweis

Lehrtafel: Bens sammelbecken.ch

Porträt Carl Chun

Carl Chun, aus dem Jahrbuch der Berliner Morgenzeitung, 1900.

Gemeinfrei (Public Domain).

Quelle: Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Carl_Chun.jpg

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